Klimawandel stoppen » was wirklich hilft: 11 Tipps

16.02.2022 15:00

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Wenn wir den Klimawandel nicht endlich ausbremsen, ist es schon bald zu spät – die Zeit drängt mehr als jemals zuvor. Die gute Nachricht: Wir alle können dazu beitragen, die Temperaturen zu stabilisieren. Wie es geht, verraten wir dir hier – dich erwarten 11 effiziente Tipps, mit denen du wirklich etwas veränderst.

Tipp 1: Wechsele zu Ökostrom

900 bis 1200 Gramm Kohlenstoff – so viel pustet eine einzige Kilowattstunde Kohlestrom in unsere Atmosphäre. Macht bei dem durchschnittlichen 2-Personen-Verbrauch (ca. 2200 kWh/Jahr) 2310 Kilo Treibhausgase. Nach fünf Jahren kommen bereits 11.550 Kilo CO2 zusammen. Wir sprechen also von unglaublichen Mengen!

! Tatsächlich ist dieser Tipp der vielleicht wirkungsvollste überhaupt, wenn du etwas gegen den Klimawandel unternehmen möchtest.

Denn: Auch wenn du bisher auf den deutschen Strommix setzt, sind erhebliche CO2-Einsparungen möglich. Dieser verursacht pro Kilowattstunde rund 0,5 Kilo Treibhausgase – obendrauf kommen weitere problematische Substanzen wie oder Stickstoff. oder Stickstoff.

„Aber ist Ökostrom nicht viel teurer?“, möchtest du jetzt vielleicht sagen. Nein. Manchmal sparst du sogar ein paar Euro, manchmal zahlst du etwas mehr – allerdings fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht. Glaubst du nicht? Dann sieh dir die folgenden Beträge an.

Preis pro kWh in Cent Grundgebühr in Euro Monatliche Kosten (1500 kWh) in Euro
Naturstrom 31,90 11,90 51,75
Polarstrom 35,58 12,36 56,84
EWS Schönau 30,5 9,95 48,07
E.ON 32,48 16,7 57,3
Vattenfall 34,7 15,4 58,8
123 Energie 34,25 13,6 56,4
 

Wichtig: Möchtest du unserem Planeten etwas Gutes tun, setze unbedingt auf „richtigen“ Ökostrom – also zertifizierte Anbieter, die…

  • … 100% natürlichen Strom erzeugen
  • … weder Atom-, noch Kohlekraftwerke betreiben oder sich auf andere Weise an diesen beteiligen
  • … den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.

RWE und Co bieten mittlerweile ebenfalls grüne Tarife an. Hier landet dein Geld allerdings trotzdem bei Unternehmen, die weiterhin in Kohle investieren. Um überhaupt Ökostrom anbieten zu können, wird oftmals sogar Solar- und Windenergie aus anderen Ländern gekauft. Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland? Fehlanzeige!

Empfehlenswerte Ökostrom-Anbieter: Bürgerwerke, Fair Trade Power, Polarstrom, Mann Strom, Ökostrom+, EWS Schönau, Proton Strom, Greenspace Energy, Enspire Grüner Stom

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Tipp 2: Reduziere Milch & Fleisch auf dem Speiseplan

820 Kilo weniger CO2 – das ist die Bilanz eines Veganers am Ende des Jahres. Kurz: Es lohnt sich, hin und wieder reine Pflanzenkost zu vertilgen! Mit jedem Tag, den du auf Linsen statt Fleisch setzt und lieber zum Haferdrink greifst, sparst du 2,22 Kilo Emissionen. Klingt gering, läppert sich aber.

Doch warum ist das eigentlich so? Tierische Produkte belasten unseren Planeten auf vielfache Weise. Zunächst wäre da das Methan: Ein Treibhausgas, das von Kühen ausgestoßen wird und 25-mal schädlicher ist als CO2. Obendrauf kommt Lachgas, welches der Landwirtschaft entweicht (hauptsächlich durch Düngung) und 300-mal mehr Schaden anrichtet.

Weil Schweine, Kühe und Hühner beim Heranwachsen eine Menge Futter vertilgen, braucht es eine intensivere Landwirtschaft, als wenn wir direkt essen würden, was auf dem Acker gedeiht. Doch leider endet das Umweltproblem an dieser Stelle nicht.

Denn: In Deutschland wachsen nur wenige eiweißreiche Nutzpflanzen, wie sie für das Futter benötigt werden. Die Lösung? Soja-Importe aus den USA oder Südamerika, wo wertvoller Regenwald für den Anbau weichen muss.

Tipp 3: Kaufe öfter Bio-Produkte

Was viele Menschen nicht wissen: Der wichtigste CO2-Speicher befindet sich unter unseren Füßen – unsere Böden binden rund 75 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, was etwa 275 Milliarden Tonnen CO2 entspricht.

Bleiben die Emissionen genau hier, ist alles gut. Das Problem: Konventionelle Landwirtschaft lockt sie aus der Erde hervor. Zum Beispiel durch chemische Dünger, Pestizide, Überweidung (zu viele Tiere auf zu kleiner Fläche) und maschinelle Verdichtung – Dinge, die das Leben in der oberen Schicht und den Humus reduzieren.

Genau hier steckt jedoch der Kohlenstoff, welcher jetzt ungehindert entweichen und den Klimawandel anheizen kann. Grund genug, öfter Bio-Lebensmittel zu essen. Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel schützt den Acker und seine Fruchtbarkeit – die wertvolle Humusschicht bleibt erhalten; manchmal wird sie sogar gestärkt.

So kommt es, dass Öko-Landwirte 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase produzieren. Umgerechnet in Autokilometer kostet ein Kilo konventioneller Weizen so viel CO2 wie eine 3,4 Kilometer lange Strecke mit einem BMW 118d – beim Bio-Weizen bleibt der Motor nach 1,5 Kilometern stehen.

Tipp 4: Verzichte auf Torf-Erde

Ursprünglich bedeckten Moore 1,5 Hektar der deutschen Landesfläche – ungefähr 4,2 Prozent. Die traurige Nachricht: Heutzutage sind 95 Prozent davon tot. Entwässert, bebaut, abgetropft, landwirtschaftlich genutzt. Damit verschwindet nicht nur ein einzigartiger Lebensraum für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten – sondern auch ein unvergleichlicher CO2-Speicher.

Jedes Jahr setzen entwässerte Moore allein in Deutschland 44 Millionen Tonnen Treibhausgase frei. Intakte Moore wiederum binden pro Hektar 700 Tonnen Kohlenstoff – sechsmal so viel wie ein Hektar Wald. Kurz: Moorschutz ist Klimaschutz!

Grund genug, torffreie Erde zu kaufen. Richtig gehört – wir zerstören unsere Moore unter anderem deswegen, um seine Rohstoffe in Blumentöpfe und Beete zu stopfen. Dabei gibt es Alternativen, die den Boden viel wirkungsvoller verbessern: zum Beispiel Kompost, Rindenhumus, Holz-, Hanf-, Kokos- oder Chinaschilffasern.

Tipp 5: Spende an Klimaschutz-Projekte

Wie gesagt: Moore sind wahre Klimaschützer! Gleiches gilt für Wälder, erneuerbare Energien in „Entwicklungsländern“ und viele weitere Projekte. Wenn du am Ende des Monats ein paar Euro übrig hast, könntest du sie spenden. Schon kleine Beträge helfen – ganz nach dem Motto „ein Coffee-to-Go weniger = ein Baum mehr“.

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Tipp 6: Spare Energie

1,75 Tonnen – so viel CO2 kostet uns die Heizung pro Kopf und Jahr. Weil hier zusätzlich hohe Nebenkosten entstehen, lohnt es sich gleich doppelt, genauer hinzusehen und Energie zu sparen. Ähnliches gilt für Strom: Dieser trägt 0,79 Tonnen zum CO2-Fußabdruck bei (vorausgesetzt, du beziehst konventionellen Strom).

  • klemme Dämmplatten hinter die Heizung – diese reflektieren die Wärme und verhindern das Entweichen nach außen.
  • schaffe dir Thermosvorhänge an und schließe sie am Abend. So verhinderst du, dass der Raum auskühlt. Rollladen haben einen ähnlichen Effekt
  • dichte zugige Fenster ab, zum Beispiel mit entfernbaren Gummidichtungen.
  • koche niemals ohne Deckel – hier gehen rund 50% mehr Energie verloren!
  • schaffe dir ein digitales Thermostat an. So vermeidest du energieraubende Temperaturschwankungen.
  • installiere eine Wassersparbrause und du verbrauchst im Zwei-Personenhaushalt rund 859 kWh weniger.
  • bevorzuge bei Elektro-Neukäufen energieeffiziente Geräte – vor allem, wenn diese dauerhaft am Strom angeschlossen sind wie zum Beispiel Kühlschränke.

Tipp 7: Achte auf Recyclingpapier

Weil es biologisch abbaubar und ein natürlicher Rohstoff ist, gilt Papier heutzutage als nachhaltige Plastik-Alternative. Bis zu einem bestimmten Punkt mag das sogar stimmen.

Aber: Der wachsende Verbrauch hat weltweite Abholzungen zur Folge – inklusive Artenschwund, entweichendem Kohlenstoff und Importen aus Monokulturen. Diese wiederum schwächen den Boden… und schaden dem hier versteckten Emissionsspeicher. Mit über 20.000 Tonnen Papier, Pappe und Karton belegt Deutschland den ersten Platz im Pro-Kopf-Verbrauch. Noch trauriger: 75 Prozent davon stammen aus anderen Ländern – allen voran Brasilien, Schweden und Finnland.

Dabei wäre es so einfach, auf recyceltes Papier zu setzen. Das spart Bäume, 60 Prozent Energie und 70 Prozent Wasser. Trotzdem lag der Recyclinganteil bei Zeitschriften im Jahr 2018 bei gerade einmal 30 Prozent. Bei den Hygienepapieren schrumpfte er von 68 Prozent (1996) auf 48 Prozent (2015). Hier ist also auch der Gesetzgeber gefragt. Bis dieser endlich tätig wird, können wir alle im Kleinen unser Bestes geben. Zum Beispiel mit diesen Tipps:

  • ➥ recyceltes Toiletten- und Küchenpapier sowie Taschentücher kaufen
  • ➥ einen „Werbung – nein danke“-Sticker auf den Briefkasten kleben
  • ➥ Papier mehrfach verwenden
  • ➥ das Büro digitalisieren
  • ➥ nur ausdrucken, was unbedingt ausgedruckt werden muss
  • ➥ Stoffbeutel statt Papiertragetaschen verwenden
  • ➥ Obst und Gemüse ebenfalls in kleine Stoffbeutelchen einpacken
  • ➥ Altpapier nicht in den Hausmüll werfen (Ausnahmen sind fettige      Pizzakartons oder Kassenbons)

Tipp 8: Bringe mehr Minimalismus in deinen Alltag

40 Prozent unseres persönlichen CO2-Fußabdrucks entfallen auf eine einzige Sache: den Konsum. Hier ein neues T-Shirt, da ein Handy oder Deko-Krimskrams – alles, was wir kaufen verschlingt Ressourcen und Energie, meistens leider aus fossilen Brennträgern gewonnen.
Ein bisschen mehr Minimalismus heißt also auch ein bisschen mehr Klimaschutz. Die gute Nachricht: Wer Impulskäufen widerstehen kann, spart obendrauf Geld und Zeit – halbleere Regalbretter lassen sich schließlich schneller putzen.

Viele Minimalisten und auch Experten gehen sogar so weit, einem genügsamen Lebensstil größeres Glück zuzuschreiben. Unter anderem, weil der Fokus auf dem Wesentlichen liegt, du bewusster durch den Alltag gehst und dich häufiger mit Freunden triffst oder deinen Leidenschaften frönst.

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Tipp 9: Erkunde unseren Planeten mit Bus & Bahn

Einmal von Berlin nach Dresden; das sind knapp 200 Kilometer. Je nachdem, welches Verkehrsmittel du wählst, pustet die Reise pro Strecke 7,2 Kilo Treibhausgase in die Atmosphäre – oder 56,8 Kilo. Klar, hier vergleichen wir das Flugzeug mit dem Reisebus – und das sollten wir definitiv öfter tun; immerhin verbirgt sich in unserer Mobilität ein großes Sparpotenzial.
Wie groß, zeigt diese Tabelle:

Treibhausgase pro Kilometer
PKW 152 Gramm
Flugzeug 284 Gramm
Eisenbahn 50 Gramm
Reisebus 36 Gramm
 

Nicht immer ist es möglich, mit dem Bus oder der Bahn anzureisen. Wenn doch, entlastest du das Klima ungemein. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik endlich etwas gegen Billigflieger und überteuerte Bahnticket unternimmt. Bis es soweit ist, hilft es, frühzeitig zu buchen, in eine BahnCard zu investieren, auf den Flixbus auszuweichen oder Europa mit Interrail zu erkunden.

Schwingst du dich im Alltag zusätzlich öfter aufs Rad oder in den ÖPNV, kannst du deinen persönlichen CO2-Fußabdruck über die Jahre hinweg um einige Tonnen drücken. Bedenke: Unsere Mobilität verursacht knapp 20 Prozent der Pro-Kopf-Emissionen – rund 2,18 Tonnen im Jahr.

Tipp 10: Lass deinen Frust raus - auf Demonstrationen

„Wenn ihr nicht wollt, dass Unternehmen für Produkt X literweise Umweltgifte in die Luft pusten – dann kauft es eben woanders!“: Mit dieser Einstellung winden sich Politik und Industrie aus der Verantwortung. Unsere Nachfrage mag zwar die Produktion beeinflussen, trotzdem ist es primär unsere Regierung, die dafür Sorge zu tragen hat, dass unser Planet lebenswert bleibt.

Scheue deswegen nicht davor zurück, unsere Politiker*innen unter Druck zu setzen – beteilige dich an Demonstrationen und Petitionen und überlege genau, wem du dein Kreuz bei den nächsten Wahlen gibst.

Tipp 11: Wechsele zu einer Ökobank

Weißt du, was mit deinem Geld passiert? Liegt es auf dem Konto einer konventionellen Bank, könntest du Dinge unterstützen, für die du eigentlich keinen Cent hergeben magst: zum Beispiel Waffengeschäfte, diktatorische Regimes, die Atomlobby – oder Kohlekraft und andere klimaschädliche Investments.

Ökobanken hingegen verpflichten sich, ihre Kredite ausschließlich Unternehmen zu bewilligen, die zu einem gesunden Planeten beitragen. Heißt: Deine Ersparnisse helfen dem Bio-Bauern, sein Geschäft aufzubauen oder lassen Windanlagen entstehen. Empfehlenswert sind zum Beispiel:

➥ Umweltbank, Triodos, GLS, EthikBank, Tomorrow, Pax-Bank


Fazit: Jeder Schritt zählt – aber ohne Politik & Industrie geht es nicht

Ja, wir alle tragen zum CO2-Ausstoß bei – und somit auch zum Klimawandel. Dementsprechend können wir ebenfalls dabei helfen, diesen auszubremsen. Besonders effizient klappt das mit Ökostrom und einem bewussteren Konsum.
Trotzdem: Wenn die Politik alle Verantwortung in die Schuhe der Bürger schiebt, macht sie es sich zu leicht – für große Veränderungen muss hier endlich etwas passieren.

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Carina J.
Über die Autorin: Carina J., Ökonerd

Seit ihrer Kindheit will Carina vor allem eins: Die Umwelt schützen. Zunächst wurde sie politisch aktiv, besuchte Seminare und schrieb ein Buch. Später verwirklichte sie einen Traum, der sie bis heute begleitet: Als selbstständige Texterin für nachhaltige Unternehmen macht sie mit ihrer größten Leidenschaft - dem Schreiben - die Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser.

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